Verfemte Kunst in Franken

Die Thematik meiner Dissertation beschritt Neuland: Bislang wurde die Nürnberger Kunst im “Dritten Reich” wissenschaftlich kaum untersucht, – allzu heikel ist der Umgang mit den Hinterlassenschaften, die noch immer in den Depots ruhen. Die Nachkommen NS-belasteter Künstler wollten aus guten Gründen nicht an die unrühmliche Rolle ihrer Vorfahren rühren. Doch nicht alle Künstler/Innen in Nürnberg und Umgebung waren”gleichgeschaltet”. Trotz Pflichtmitgliedschaft in der “Reichskammer der Bildenden Künste” wagten einige Freischaffende, ihre Arbeit z. B. expressionistisch, abstrakt oder neusachlich, trotz Oberservation, Ausstellungsverboten und Ausmerzung fortzusetzen. Sie wurden jedoch weiterhin verfolgt, indem die meisten von ihnen in die vordersten Frontlinien des Zweiten Weltkrieges geschickt wurden. Diejenigen, die nach 1945 zurückkehrten wurden niemals rehabilitiert, sondern waren gezwungen, sich unter neuen Marktbedingungen eine “zweite Karriere” zu beginnen.

Kurzbiografien und Werke der “Verfemten” sollen in dieser Datenbank nicht nur gesammelt, sondern auch in ihrem künstlerischen Schaffen vorgestellt bzw. mit weiter führenden links versehen werden.

Trotz jahrelanger Vorarbeiten ist das Terrain der Kunst in und um Nürnberg während der Weimarer Republik und “Dritten Reich” längst nicht abgesteckt, – lediglich ein Anfang ist gemacht. Neben Felix Müller/Eitel Klein/Leo Smigay/Fritz Griebel gab es eine ganze Reihe weiterer diffamierter und ausgegrenzter Künstler, die auch nach 1945 nicht rehabilitiert, sondern – im Zuge der Restauration – ein weiteres Mal ausgegrenzt wurden.

Die Datenbank soll jene “Vergessenen” und in ihren Werken sichtbar werden lassen. Sie ist “work in progress” und wird kontinuierlich erweitert. Zudem soll sie anregen, weitere Forschungen auf diesem Gebiet anzuregen. Auf der Grundlage zuverlässiger Daten könnten z.B. in Zukunft Ausstellungen jener Kunst der Klassischen Moderne (z.B. in den umstrittenen Bauten der Reichsparteitage) in Gegenüberstellungen zur NS-Kunst geplant und realisiert werden. Das Pilotprojekt benötigt weitere Unterstützung.