Der 1878 in Fürth geborene Maler und in der Fürther Straße 6a in Nürnberg aufgewachsene Künstler war bis 2003 vollkommen vergessen. Erst durch eine Ausstellung der „Kunstvilla“ über die Nürnberger Künstlerdynastie Kertz gelangte sein Name und Schicksal wieder ans Licht der Öffentlichkeit. – Der Maler, der seine künstlerische Ausbildung in München bei den Privatlehrern Anton Azbee und Kirr aufnahm und in der Ainmillerstraße 13 gemeinsam mit Kertz eine „Schule für Malerei und Ornamentik“ betrieb, wurde 1944 im Alter von 66 Jahren in Auschwitz ermordet. 1933 flüchtete er nach Paris, 1940 noch vor der Okkupation der Stadt durch deutsche Truppen in den Süden des Frankreichs in der Hoffnung über die Pyrenäen zu entkommen. Unter der Leitung von Alois Brunner, Privatsekretär Adolf Eichmanns, wurde er 1944 deportiert und in die Gaskammern von Auschwitz geführt. Er starb am 2. Juni 1944.
Nur wenige von Graumanns Werken sind heute noch vorhanden. Sie wurden kürzlich in einem Zeitungsartikel v0n Friedrich J. Bröder als Vorläufer der NS-„Blut-und-Boden“-Malerei bezeichnet. Das Missverständnis könnte nicht größer sein!
Julius Graumann war in Adolf Hölzels Künstlerkolonie Dachau tätig und entwickelte eine Malerei, die sich dem Expressionismus annäherte. Neben Themen wie „Bauern“ und Porträts sind es u.a. religiöse Themen gewesen, mit denen er sich nach dem 1. Weltkrieg auseinander setzte. Verschollen ist das Porträt, das er im Auftrag der Bamberger Ulanen vom letzten bayerischen König, Ludwig III. anfertigen durfte. Graumann wurde somit nicht aufgrund seines Malstils, sondern wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt. Eine sehr aufschlussreiche Quelle ist die Monografie über sein Leben und Werk: Peter Kertz (Hrsg.), Der Maler Julius Graumann (1878 – 1944). Die Wiederentdeckung eines Verschollenen, München/Berlin 2004.